Der Wirklichkeit ins Auge zu sehen tut oft weh. Sehr weh. Denn dann sehen wir, was wir am liebsten ausblenden würden. Der erneute Missbrauchsskandal lehrt uns, dass wir offene Augen und einen wachen Geist brauchen – auch in der Kirche.

Es wäre unangemessen, die vielen Priester und Bischöfe allesamt unter einen Generalverdacht zu stellen. Und doch müssen wir wachsam sein. Manch einer tritt im Namen Jesu auf und hat doch ganz andere Absichten im Sinn. Wir alle sind gefordert, Dinge anzusprechen, die uns komisch vorkommen. Nur so können wir künftigen Missbrauch vermeiden.

Gott, seit „Adam und Eva“ tun wir uns schwer damit, Gut und Böse zu unterscheiden. Bis heute sind wir selten sicher, wem wir wirklich vertrauen können. Gleichzeitig ist mir klar, dass ich auf andere angewiesen bin und bleibe.

Ich bitte dich um deinen Heiligen Geist, dass ich sehe und spüre, wenn jemand im Gewand des Guten daherkommt. Schenke mir Klarheit, dass ich all das mutig anspreche, was gegen dein Gebot der Liebe ist. Lass mich auf diese Weise dazu beitragen, künftigen Missbrauch zu verhindern. Amen.